Deutsche Spuren entlang der Donau - reisen, begegnen, erleben
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Die von sanften Hügeln und Bergen umgebene Ortschaft Anina (deutsch Steierdorf) liegt im Kreis Caraş-Severin im rumänischen Banat.

Aus den Quellen ist die Gründung von Steierdorf auf den Tag genau bekannt: Am 24. Juni 1773 kamen aus dem Salzkammergut und aus der Steiermark „50 Holzknechte, Köhler und ein Holz- und Kohlmeister“ in den zu Oraviţa gehörenden Forst. Im Laufe der Zeit waren weitere Siedler – Böhmen, Slowaken, Zipser und Deutsche aus anderen Teilen des Banats - zugewandert.

Nach der Entdeckung eines „glänzenden schwarzen Steins“ durch Matthias Hammer im Porcar-Tal, Ende des 18. Jahrhunderts, entwickelte sich Steierdorf aus einer Köhlersiedlung schnell zum „Steinkohlenpott“ - und letztendlich zum zweitwichtigsten Kohlebergbaugebiet Rumäniens.

Die Stadt besteht aus zwei Stadtteilen. Aus dem älteren Steierdorf und aus Anina, dem jüngeren Teil. Anina war einst stärker industrialisiert.

Die römisch-katholische Kirche von Steierdorf ist ein auf einer Anhöhe gelegener, neugotisch inspirierter Bau. Der zugehörige Platz wird zum Kirchweihfest gern und ausgiebig genutzt. Zu den Klängen der Blasmusik der Aninaer Bergknappen treten hier die Kirchweihpaare auf. Die Kirche befindet sich keine 50 Meter von jenem Ort entfernt, wo laut Ortslegende die ersten Siedler aus der Obersteiermark einen riesigen Urwaldbaum gefällt hatten. Dessen Baumstumpf diente als Messtisch für die erste Messe, die hier gelesen wurde. Und an dieser Stelle wurde dann auch ein erstes Holzkirchlein gebaut.

Friedhöfe im Banater Bergland sind nicht nur als Gedenkstätten an die hiesigen Bewohner besuchenswert. Im sehr gepflegten Friedhof von Steierdorf-Anina spiegeln die Namen der Grabsteine und Grabkreuze auch das Völkergemisch, das hier lebte und arbeitete. So lassen sich die allmählichen Veränderungen in der Zusammensetzung der Bevölkerung erkennen, sogar Verschiebungen in den wirtschaftlichen und sozial-administrativen Verantwortlichkeiten der Vertreter verschiedener Ethnien. Interessant sind auch Änderungen in der Gestaltung der Grabkreuze: von Gusseisen zu Schmiedeeisen und Steinmetzarbeiten oder später zu einfachen Kreuzen.

Das nationalkommunistische Rumänien beschloss, in Steierdorf das erste und größte Ölschieferkraftwerk Rumäniens zu bauen. Dass es hier Ölschiefer gibt, wusste man schon im 19. Jahrhundert. Per Destillation wurde aus dem Ölschiefer „Schieferöl“ gewonnen. Alteingesessene Steierdorfer nennen das Petroleum noch heute „Schieferöl.

In den 1980-er Jahren wurde in Steierdorf ein gigantisches Projekt geplant: Das Ölschiefervorkommen sollte im Tagebau abgebaut, zermahlen und direkt verbrannt werden. Vorgesehen war die jährliche Verbrennung von 13 Millionen Tonnen Ölschiefer, ohne Rücksicht auf ökonomische Vernunft und unkalkulierbare Umweltschädigungen. Dazu sollte Steierdorf dem Erdboden gleichgemacht, die Bevölkerung wahlweise in eine Plattenbausiedlung umgesiedelt oder zur Auswanderung nach Deutschland bewogen werden.

In dieser Zeit wurde die Stadt unter ein „Sonderregime“ gestellt. Während in Rumänien Grundnahrungsmittel nur per Bezugsscheine und in begrenzter Menge zu haben waren, bekam man in Steiersdorf vieles ohne Bezugsscheine und meist auch in größerer Menge. Auch die Gehälter waren extrem hoch. Beispielsweise bekam ein Kipplasterfahrer auf dem Tagebau im Monat in etwa den Jahreslohn einer Lehrerin. Bald nach der Wende wurde das Wahnsinnsprojekt eingestellt.


Steierdorf von sanften Hügeln umgeben, Anfang des 20. Jahrhunderts



Steierdorf war im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts ein wichtiges Zentrum des Steinkohlebergbaus.



Blick auf das Zentrum von Anina.



Die neugotisch inspirierte römisch-katholische Kirche von Anina