Deutsche Spuren entlang der Donau - reisen, begegnen, erleben
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Gerlingen, eine Stadt mit rund 19.000 Einwohnern, grenzt nordwestlich an Stuttgart, gehört jedoch zum Landkreis Ludwigsburg. Gerlingen ist heute ein wohlhabender und schön herausgeputzter Ort, der einerseits vom Weinbau und andererseits von den ansässigen Firmen profitiert; hier hat zum Beispiel der wirtschaftsstarke Automobilzulieferer Bosch seine Hauptverwaltung.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Gerlingen schon im Jahr 797. Zur Stadt entwickelte sich die Siedlung aber erst nach 1.200 Jahren: 1958 erhielt Gerlingen die Stadtrechte. Dazu kam es vor allem durch den enormen Bevölkerungszuwachs der Nachkriegszeit. Innerhalb von nur 15 Jahren war Gerlingens Einwohnerzahl von 3.800 auf 10.000 angestiegen. Zu dieser tiefgreifenden Veränderung und dem damit einhergehenden wirtschaftlichen Aufschwung des Ortes trugen in erheblichem Maße Flüchtlinge und Vertriebene aus dem östlichen Europa bei. Zu ihnen zählten auch viele Donauschwaben. So fanden die meisten der 1946 vertriebenen Bewohner von Zsámbék (Ungarn; deutsch Schambek) hier ihr neues Zuhause.

Das erklärt, warum Gerlingen heute besonders enge Beziehungen zu Ungarn pflegt. Im Jahr 1969 übernahm die Stadt die Patenschaft für die Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn (Landesverband Baden-Württemberg). Damit verpflichtete sie sich, ihre aus Ungarn stammenden Einwohner in besonderem Maße zu unterstützen. Das gilt vor allem für kulturelle Aktivitäten.

So zieht der Bundes-Schwabenball der Deutschen aus Ungarn seit 1976 alljährlich im April hunderte Menschen aus ganz Deutschland nach Gerlingen. Seit 1987 pflegt die Stadt zudem eine Partnerschaft mit dem ungarischen Tata. Nicht zuletzt ist durch die Person des seit 1999 amtierenden Bürgermeisters Georg Brenner Gerlingens Ungarn-Beziehung offensichtlich: Er ist seit 2007 Vorsitzender der Deutsch-Ungarischen Gesellschaft, die sich zum Ziel gesetzt hat, freundschaftliche Beziehungen zu Ungarn und seinen Menschen zu fördern und so der Völkerverständigung zu dienen.

Dass die einst als Fremde angekommenen Donauschwaben heute Teil der Stadtgesellschaft sind, macht das Stadtmuseum Gerlingen sichtbar. Es wurde 1980 in einem historischen Schulgebäude eingerichtet. Das Museum besitzt eine umfangreiche Sammlung zu deutschen Siedlungsgebieten in Ungarn, vor allem zu den Dörfern Schambek und Hartau. Das Museum der Deutschen aus Ungarn ist in das Stadtmuseum integriert. Zwei eingerichtete Stuben mit bemalten Möbelstücken entführen den Besucher in die vergangene bäuerliche Welt. In mehreren Abteilungen zeigt das Museum Dinge aus Landwirtschaft, Haushalt und religiösem Leben, ein großer Bereich ist Trachten und textilen Handarbeiten gewidmet.


Ungarndeutsche Trachten beim Bundes-Schwabenball, 1988



Steinernes Schild vom Traubenpresshaus in Schambek,
um 1912



Stickmustertuch, 1896

Wissenswertes

Stadtmuseum Gerlingen / Museum der Deutschen aus Ungarn
Weilimdorfer Str. 9-11, 70839 Gerlingen
Tel. 0049 (0) 7156 - 205 366
Öffnungszeiten: Di 15–18.30 Uhr, So 10-12 und 14-17 Uhr
(im August geschlossen!)
Eintritt frei, Führungen nach Vereinbarung
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