Deutsche Spuren entlang der Donau - reisen, begegnen, erleben
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Backnang, eine Stadt mit knapp 35.000 Einwohnern, liegt nordöstlich von Stuttgart. Die Ungarndeutschen betrachten sie als eines ihrer kulturellen Zentren in Deutschland.

Backnang wurde im Jahr 1067 erstmals urkundlich erwähnt und war schon im 13. Jahrhundert zur Stadt herangewachsen. Seit 1316 gehört es zu Württemberg und diente jahrhundertelang als Verwaltungssitz. Im 19. Jahrhundert verlieh ihm die Industrialisierung einen wirtschaftlichen Aufschwung, vor allem durch die Leder- und Textilindustrie.

Der Zweite Weltkrieg veränderte Backnang nachhaltig: Mehrere Luftangriffe hinterließen schwere Zerstörungen. Auch die Einwohnerschaft – bisher knapp 10.000 Menschen – erlebte einen dramatischen Wandel durch den Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen. Aus einer ruhigen, pietistisch geprägten Kleinstadt entstand nun eine prosperierende Industriestadt, die viele Arbeitskräfte anzog.

Zu Backnangs „Neubürgern“ zählten auch viele vertriebene Ungarndeutsche, darunter ein Großteil der 6.000 Menschen, die 1946 das südungarische Almasch/Bácsalmás hatten verlassen müssen. Die Bácsalmáser organisierten ab 1957 regelmäßige Heimattreffen in Backnang, hielten aber auch die Verbindung zu ihrer Heimatgemeinde aufrecht. 1959 beschloss der Backnanger Gemeinderat, die Patenschaft für die Ungarndeutschen aus Bácsalmás zu übernehmen. 1988 erwuchs daraus die Städtepartnerschaft Bácsalmás–Backnang: eine der ersten Städtepartnerschaften zwischen Deutschland und Ungarn.

Seit 1971 ist die Stadt auch Pate für die Ungarndeutschen als ganze Gruppe. Als Vertreter des „Patenkindes“ fungierte das Ungarndeutsche Sozial- und Kulturwerk (USK), das seither alle zwei Jahre eine Studientagung in Backnang veranstaltet. Ebenfalls zweijährlich vergeben die Stadt Backnang und das USK einen ungarndeutschen Kulturpreis. Im jährlichen Turnus findet zudem seit 1974 der Backnanger Schwabenball statt.

1977 richtete das USK in Backnang ein Ungarndeutsches Heimatmuseum ein. Dessen Sammlung wuchs schon bald beträchtlich, denn das ehrenamtliche und finanzielle Engagement der Ungarndeutschen war immens. 1984 konnte das Museum in das historische Mühlengebäude übersiedeln, in dem es sich heute befindet.

Als größtes ungarndeutsches Heimatmuseum stellt es die Geschichte der Deutschen in Alt-Ungarn dar, insbesondere in der „Schwäbischen Türkei“ und in der Batschka. Natürlich kommt auch Backnangs Partnerschaft mit Bácsalmás zur Geltung.

Im Erdgeschoss sieht man bäuerliche Geräte und landwirtschaftliche Maschinen, darunter einen als Fluchtwagen benutzten Leiterwagen. Im Obergeschoss befinden sich eine rekonstruierte Küche und eine Stube sowie Vitrinen mit Trachten und Textilien. Das Dachgeschoss zeigt traditionelles Handwerk (Korbmacher, Schmied, Schuhmacher, Weber, Blaufärber und Küfer). Hier ist auch eine Stube aus Bácsalmás (um 1900) eingerichtet.


Das Ungarndeutsche Heimatmuseum in der Burgermühle.



LINKS: Abschied der Braut von den Eltern, mit Originaltrachten aus Budajenő und Telki.

RECHTS: Webstuhl, den sich der ungarndeutsche Webermeister Josef Schloder in Backnang gebaut hat.

Wissenswertes

Ungarndeutsches Heimatmuseum
Talstr. 1, 71522 Backnang
Tel: 0049 (0) 7191 – 894213
Öffnungszeiten: April – Oktober sonntags 14-16 Uhr
http://www.ungarndeutsches-heimatmuseum.de