Deutsche Spuren entlang der Donau - reisen, begegnen, erleben
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Das Dorf Zsibrik (deutsch Sibrick) liegt 50 km nordöstlich von Pécs. Es gehört seit dem 18. Jahrhundert zum Komitat Baranya/Branau, nachdem das Komitat Tolna/Tolnau im Zuge eines von 1695 bis 1720 dauernden Prozesses 26 Dörfer an Branau übergeben musste.

Nach Sibrick führte eine legendär schlechte Straße, die erst 1995 verbessert und asphaltiert wurde. So ist es keine Überraschung, dass der Dorfname der Legende nach vom Ausruf „Schieb zurück!“ abgeleitet ist. Mit diesem Ruf sollen die deutschen Einwanderer ihre Pferde angetrieben haben, als sie auf dem Weg in dieses Tal ins Stocken gerieten. Die Ortschaft ist auch heute noch nur von Mőcsény her durch das Börcsin-Tal erreichbar.

Sibrick kam 1743 in den Besitz der Bonnharder Perczel-Familie, die das Dorf mit evangelischen Deutschen bevölkerte. Mit der Zeit ließen sich hier aber auch Katholiken nieder. Eine Aufzeichnung vom Ende des 18. Jahrhunderts berichtet davon, dass die Bewohner nur schwer „vorwärtskommen“ könnten, da ihr Boden nur zur Weidewirtschaft und nicht für den lukrativeren Acker- oder Weinbau geeignet sei.

Um 1830 standen 83 Häuser im Dorf, bei rund 600 Einwohnern. Darunter waren auch 85 Juden, da die Perczels die Ansiedlung der Juden in ihren Dörfern gegen Extra-Steuern erlaubten. Die Zahl der Katholiken schrumpfte in dieser Zeit auf 5.

Die Einwohner beschäftigten sich Mitte des 19. Jahrhunderts trotz der ungünstigen Gegebenheiten hauptsächlich mit Tabak- und Weinanbau. Es wanderten aber auch immer mehr Einwohner aus.

Durch Entrechtung und Enteignung und die darauf folgende Vertreibung der Ungarndeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg, sowie ab 1970 durch die bewusst destruktive staatliche „Siedlungsentwicklungspolitik“ gegen die kleinen Dörfer, wurde Sibrick gänzlich entvölkert. Mittlerweile sind einige Häuser wieder bewohnt, die Zahl der Bewohner liegt bei 30 Personen. Die kalvinistisch reformierte Kirche gründete 1990 eine Stiftung mit dem Zweck, drogenabhängigen Jugendlichen zu helfen. Dafür nutzt die Stiftung auch einige Häuser von Sibrick.

Hinsichtlich der deutschen Baukultur ist Sibrick ein wichtiges Dorf, da hier zwei Wohnhäuser in Fachwerkskonstruktion erhalten geblieben sind. Das eine befindet sich in der Kossuth Str. 6. Das Haus steht auf einem Naturstein-Unterbau, der bis zu einem Meter hoch ist. Es ist vermutlich ein Haus der ersten Kolonisten. Ursprünglich war es dreigeteilt eingerichtet: Wohnstube, Küche, Kammer. Die Fachwerk-Konstruktion ist auch auf der hinteren Hofseite erhalten geblieben.

Das zweite Haus mit Fachwerk liegt ebenfalls im Dorfkern, in der Nähe der evangelischen Kirche, in der Petőfi Str. 28. Das Haus steht ebenfalls auf einem Naturstein-Unterbau. Aufmerksamkeit erregt nicht zuletzt das reiche Gitterwerk an der Giebelseite. Die innere Struktur des Hauses war ursprünglich viergeteilt: Stube – Küche und Stube – Sommerküche (mit offenem Kamin). Das Kolonistenhaus, das lange Zeit unbewohnt war, wurde 1998 renoviert und wird für Gemeindezwecke genutzt. 


Asphaltierte Straßen sucht man hier vergebens.



Detail des Fachwerk-Giebels.



Hintere Fassade des Fachwerk-Kolonistenhauses.