Deutsche Spuren entlang der Donau - reisen, begegnen, erleben
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Villány (deutsch Wieland) ist seit 2000 eine Stadt. Sie liegt 36 km in süd-südöstlicher Richtung von Pécs und gilt in Südungarn als die „Hauptstadt der Rotweine“.

Das südlichste historische Weingebiet des Landes befindet sich auf den südlichen Hängen und breiten Plateaus des Villányer Gebirges, das von seiner Höhe her nur eine Hügelkette ist. Das Weingebiet umfasst insgesamt 2.200 Hektar. Auf dem westlichen, dem Siklóser Teil, wird hauptsächlich Weißwein angebaut, auf der östlichen Seite Rotwein. Hier wurde 1994 der erste ungarische „Weinstraßenverein“ gegründet.

Südwestlich von der Ortschaft fand am 12. August 1687 die sogenannte „zweite Mohácser Schlacht“ statt. Hier wurde die Armee des bayerischen Kurfürsten Max Emanuel vom osmanischen Heer angegriffen. Der Angriff konnte mit Hilfe der herbeigeholten kaiserlichen Regimenter abgewehrt werden. Der Gegenangriff auf das verschanzte osmanische Lager brachte der christlichen Seite den Sieg. Am Triumph beteiligt waren so berühmte Generäle wie Karl Herzog von Lothringen, Ludwig Markgraf von Baden und Prinz Eugen von Savoyen.

Diese Schlacht wurde zu einem Meilenstein in den Türkenkriegen des ausgehenden 17. Jahrhunderts, und sie schlägt sich bis heute in Namen und Etiketten der Weine nieder. Etwa in „Jammertal“ oder „Jammertal Selektion“. Das mit Reben bedeckte Jammertal liegt auf dem ehemaligen Schlachtfeld. Der Überlieferung nach „jammerten“ und klagten hier tagelang die schwerverletzten osmanischen Soldaten, da sich die christlichen Soldaten nach der Schlacht nur um die eigenen Kameraden kümmerten. Einige Winzer benannten ihre Weine nach kaiserlichen Generälen. So gibt es z.B. den Roséwein „Styrum“, der 2013 zum besten Rosé aus Südungarn gewählt wurde.

Das Dorf gehörte zu dem im Jahre 1699 gegründeten Gut Bellye und wurde zum Grundbesitz des Prinzen Eugen von Savoyen. Nach dessen Tod kam das Gut in den Besitz der Familie Habsburg. Eine Konskription aus dem Jahr 1715 erwähnt im Dorf 49 „raitzische“ Familien. Die Ansiedlung der Deutschen erfolgte etwa ab den 1730er Jahren und dauerte bis zum Ende des 18. Jahrhunderts.

Die hiesigen Rotweine und die unter Denkmalschutz stehende Weinkellerstraße verschafften dem Dorf landesweite Bekanntheit. Das Kellerviertel entstand auf dem Hügel südwestlich vom kleinen Stadtzentrum. Wie für ungarndeutsche Dörfer typisch, hatten die Winzer ihre Weinkeller nicht auf das Weingut selbst gebaut, sondern an den Rand des Dorfes. Denn das hätte sie ein Stück ihres Weinberges gekostet. Der Vorteil war aber auch, dass die Weinkeller so näher bei den Häusern waren, denn die Weingärten lagen oft entfernt vom Ort. Auf diese Weise entstanden Dorfviertel mit eigener Funktion: Hier wurde nach der Weinlese der Wein verarbeitet und gelagert. Zurzeit leben hier rund 200 Familien vom Anbau und Verkauf des Weines.

LINKS: Deutsches Brautpaar, Wieland um 1930.

RECHTS: Gut erhaltene Weinkeller.



Zurzeit leben in Wieland ca. 200 Familien von Weinanbau und –verkauf. 



Dorfstraße in Wieland, 1975.

Tipps und Events

In Wieland gibt es das ganze Jahr über Programme rund um den Wein. Um das aktuelle Angebot informiert man sich am besten unter: http://www.villany.hu/turistaknak