Deutsche Spuren entlang der Donau - reisen, begegnen, erleben
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Nach dem Ende der Türkenkriege (1727) kamen Tata (deutsch Totis) und die umliegenden Dörfer in den Besitz der Familie Esterházy, die Totis als Zentrum ihrer Besitztümer herrschaftlich ausbaute. Durch die Arbeit von überwiegend deutschen Baumeistern entstand so eine der schönsten Städte mit Barockbauten im Komitat Komárom/Komorn.

Deutsche Siedler, etwa 50 bis 60 Familien, kamen zwischen 1733 und 1750 nach Totis. Ein Teil der katholischen Siedler ließ sich am Rande des Dorfes, Richtung Kocs nieder. Diesen Teil des Ortes nannte man Neu-Stift. Der Name blieb bis heute, wenn auch ein wenig „ungarisiert“ („Nájstik“). Ab 1736 bis 1830 gab es in Neu-Stift eine selbstständige Schule mit einem deutschen Schulmeister.

Burg
Der Bau am Ufer des Alten Sees wurde bereits in den 1300er Jahren begonnen. Diese „Perle von Totis“ erlebte ihre Glanzzeit als königliches Erholungsschloss während der Herrschaft des Sigismunds von Luxemburg und Matthias Rex. Heute ist nur noch der südliche Flügel erhalten.

Mühlen
In schriftlichen Quellen aus dem 13. Jahrhundert finden sich bereits Hinweise auf Mühlen in dieser Gegend. Die in den 1830er Jahren gefertigte Landkarte zeigt 15 Mühlen in Betrieb. Davon waren sechs Walkmühlen (Filzmühlen), in den anderen wurde Getreide gemahlen. Hundert Jahre später waren nur noch vier Mühlen im Betrieb. Durch intensiven Bergbau in Tatbánya und das Auspumpen des Karstwassers versiegten die Quellen.

Ungarndeutsches Landesmuseum
Das Ungarndeutsche Museum in Totis wurde 1972 als Basismuseum für die deutsche Minderheit in Ungarn gegründet. So sind in der Sammlung typische Gegenstände aus jeder von Deutschen bewohnten Region Ungarns zu sehen. Das Museum ist in der barocken Nepomucenus-Mühle untergebracht, die 1758 nach Plänen des bekannten Architekten Jakob Fellner erbaut wurde.

Fellner Jakob Aussichtsturm und Kapelle
Schon von Weitem erblickt man den kahlen Hügel und die um 1770 nach den Plänen von Jakob Fellner errichtete Kalvarienkapelle samt der Golgota-Statuengruppe. Im Aussichtsturm wurden ursprünglich Bleikugeln für Schrotflinten gegossen.

Schloss Esterházy
Zu Beginn der 1760er Jahre beauftragte Graf Miklós Esterházy den Baumeister Jakob Fellner mit dem Niederreißen der Burg und dem Bau eines neuen Schlosses an derselben Stelle. Das spätbarocke Schloss am Ufer des Alten Sees ist wegen seiner Architektur, den prachtvollen Innenräumen, dem Park aus dem 18. Jahrhundert und dem Englischen Garten eine Sehenswürdigkeit. Eine Legende besagt, dass der ungarische König Franz und seine Ehefrau Ludovika hier während des Rückzuges vor den Napoleonischen Truppen gelebt hatten.

Der Alte See
Der Alte See in Totis ist einer der ältesten künstlichen Seen in Ungarn. Der See und das umliegende Sumpfgebiet dienten dem Schutz der Burg. Man hielt dort anfangs Fische aus der Donau. Mit dem Trockenlegen des Sumpfgebietes im 18. Jahrhundert entstand das heutige System der Seen. Der See und die Umgebung stehen unter Umweltschutz, die Gegend ist aber als touristisches Ziel und zur Erholung freigegeben. Es ist der einzige städtische See in Europa, an dem in den Herbst- und Wintermonaten tausende von Wildgänsen und andere Zugvögel Rast machen.

Ansicht von Totis auf einem Stich aus dem 17. Jahrhundert.



Die dynamische Statuengruppe der Golgota aus dem Jahr 1770.



LINKS: Der 40 Meter hohe Aussichtsturm in Totis.

RECHTS: Die vier Seen in Totis haben eine Fläche von insgesamt 201,5 ha mit 4,37 Millionen m3 Wasser.



Das spätbarocke Esterházy-Schloss am Ufer des Totiser Alten Sees.

Wissenswertes

Ungarndeutsches Landesmuseum
Die derzeitige Ausstellung mit dem Titel „1100 Jahre Zusammenleben – Deutsche in Ungarn von der Landnahme bis zur Gegenwart” stellt die mehrere Jahrhunderte umfassende Geschichte der hier lebenden Deutschen vor. Im Erdgeschoss kann der Besucher die ehemals in dem Gebiet der heutigen Slowakei und der in Rumänien lebenden Zipser und Siebenbürger Sachsen, sowie die wegen ihrer Keramik weltberühmten Habaner und durch sie die mittelalterliche Geschichte der Ungarndeutschen, kennenlernen. Der Ausstellungsraum im ersten Stock stellt die große Ansiedlungswelle der Neuzeit, den sogenannten „Großen Schwabenzug”, durch Möbel und Gebrauchsgegenständen der zeitgenössischen deutschen Bauern dar. Auf dem Dachboden kann sich der Interessierte ein Bild von den Ereignissen des 20. Jahrhunderts machen. Von Trianon über den Volksbund bis hin zu den Aussiedlungen nach dem Zweiten Weltkrieg. Es werden auch Volkstrachten mehrerer Dörfer präsentiert.