Deutsche Spuren entlang der Donau - reisen, begegnen, erleben
  • 04_Farkasgyepu_titel.jpg
Visitor counter, Heat Map, Conversion tracking, Search Rank

Das Dorf Farkasgyepű (deutsch Wirtshäusl) mit ca. 400 Einwohner liegt im Komitat Veszprém etwa 7 km von Városlőd entfernt. Der ungarische Name der Ortschaft ist ein aus „farkas“ (Wolf) und „gyepü“ (Schutzhindernis) zusammengesetztes Wort und verweist auf die hier einst großen Wolfspopulationen. Als Anfang des 18. Jahrhunderts die Wölfe verschwunden waren, wurde eine sichere „königliche Straße“ durch die Siedlung gebaut. Zudem war die Gegend schon unter König Matthias im 15. Jahrhundert ein beliebtes Jagdrevier. So eröffnete das Bistum neben der Straße ein Gasthaus. Davon leiteten sich verschiedenen Namen der Ortschaft ab, wie Csárda (Tscharda), Korcsmácska (Kneipchen), Koplaló (Hungernd) - und eben auch die Bezeichnung Wirtshäusl, die von der deutschen Bevölkerung stammt. Die Mehrsprachigkeit des Ortes hat sich bis heute erhalten. 

Zwischen dem Wesprimer Bistum und den ersten deutschen Bewohnern wurde vermutlich kein Siedlungsvertrag abgeschlossen. Da in der Nachbarortschaft 1753 eine Glashütte gegründet wurde, handelt es sich deshalb bei den ersten Ansiedlern um Arbeiter der umliegenden Glashütten. Im Jahre 1756 wurde im Wald von Michael Kostajger eine weitere Glashütte errichtet. Deshalb ließen sich in Wirtshäusl auch viele Arbeiter dieser Fabrik nieder.

Vom Bischof selbst wurden erst Anfang des 19. Jahrhunderts gezielt deutsche Siedler angesiedelt. 

Der Beginn der Forstwirtschaft in den Wäldern des Bistums wirkte als Anziehungskraft für das Dorf. Durch die Arbeitsmöglichkeiten in der Nähe wuchs die Zahl der Bewohner so schnell, dass die Siedlung ab 1863 offiziell selbstständig und 1872 sogar eine Schule erbaut wurde. 

Im Jahre 1880 zählte die Ortschaft 305 Einwohner und die Unterhaltsfähigkeit des Gebietes kam an seine Grenzen. Danach war eine Auswanderungswelle zu beobachten. Da es hier keine Möglichkeit zum Getreideanbau gab, ließ das Bistum für die Einwohner von Wirtshäusl einen Teil des Waldes um die Ortschaft herum abholzen, um so neue Lebensmöglichkeiten zu schaffen und die Auswanderung zu vermindern.

Bei der Volkszählung 1941 gaben 56% der Einwohner an, deutsche Muttersprachler zu sein. 

Am 20. Januar 1948 wurden 110 deutsche Bewohner vertrieben. 23 Familien und zwei Einzelpersonen. Fünf Familien durften bleiben.

Wirtshäusl ist neben den Naturschönheiten der umliegenden Wälder auch für die heilende Kraft seiner Luft bekannt. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde eine Waldschule für Kinder mit Atembeschwerden eröffnet. Aus dieser Schule entwickelte sich dann das berühmte Lungensanatorium, in das auch Erwachsenen aufgenommen wurden. Auch heute werden hier noch aus dem ganzen Land  Kranke mit Atemwegkrankheiten behandelt. 

Sehenswert ist die römisch-katholische Kirche „Maria Heimsuchung“. Der Wesprimer Bischof Károly Hornig ließ die Kirche bauen, die 1909 eingeweiht wurde. Über dem Eingang ist das Wappen des Bauherrn angebracht.

Die 1909 erbaute römisch-katholische Kirche.


Das Wappen des Bischofs von Wesprim über dem Eingang.

Tipps und Events

Heimatmuseum Farkasgyepű
Petőfi Sándor utca 15., 8582 Farkasgyepű
Telefonnummer: +36 (0)89 358 175 és a +36 30 339 6776
Internetadresse: www.farkasgyepu.hu/intezmeny/muzeum
Öffnungszeiten: Mo, Mi 7.30-15.30 Uhr, Di, Do 11.45-20.45 Uhr, Fr 7.30-13.30 Uhr, Sa-So geschlossen

Im Museum kann man die Geschichte des Dorfes und der einstigen Dorfschule kennen lernen.