Deutsche Spuren entlang der Donau - reisen, begegnen, erleben
Visitor counter, Heat Map, Conversion tracking, Search Rank

Im äußersten Nordwesten Rumäniens liegt der Kreis Sathmar (rumänisch Satu Mare, ungarisch Szatmár) mit der gleichnamigen Kreisstadt. 370.000 Menschen wohnen heute in dem landwirtschaftlich geprägten Grenzbezirk. Im Norden grenzt Sathmar an die Ukraine, im Westen an Ungarn. Dementsprechend vielfältig ist auch die Bevölkerung im Kreis: Sie setzt sich zusammen aus Rumänen (58 Prozent), Ungarn (35 Prozent), Deutschen (zwei Prozent) und anderen Gruppen, vor allem Ukrainern und Slowaken (fünf Prozent).

Die Region ist aber größer als die rumänische Kreisverwaltung und geht auf das frühere ungarische Komitat Sathmar (bis 1918) zurück. Etwa ein Viertel der Region gehört zu Ungarn und ein kleiner Teil um die Ortschaft Welyka Palad zur Ukraine. Nach dem Ersten, und erst recht nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung stark verändert. Nach 1918 wurden hier vermehrt Rumänen angesiedelt. Im Zweiten Weltkrieg verlor Sathmar durch den Holocaust die Juden und nach 1945 viele Deutsche.

Die Besiedlung mit Deutschen geht auf den Grafen und Politiker Sándor Károly zurück. Er war im Jahr 1711 Initiator und Mitverfasser des Sathmarer Friedens, den die Habsburger mit dem aufständischen ungarischen Adel schlossen. Károly siedelte auf seinen Gütern schwäbische Bauern und Handwerker an. Über Agenten ließ er katholische Familien aus Oberschwaben anwerben, die 1712 von Ulm aus mit Schiffen bis Pressburg und von da aus auf dem Landweg nach Sathmar kamen. Graf Károly versprach sich von der Kolonisation eine Verbesserung der Landwirtschaft und des Gewerbes auf seinen Gütern. Doch die erste Ansiedlungswelle endete in einem Desaster. Die Kolonisten hatten keine Unterkünfte, die Felder waren versumpft und es kam zu Konflikten mit der einheimischen Bevölkerung.

Langfristig hatte die Ansiedlung aber Erfolg. Über 2.000 schwäbische Familien kamen bis 1838 nach Sathmar. Sie modernisierten in vielen Dörfern den Landbau und das Handwerk. In einer zeitgenössischen Beschreibung heißt es: „Die Schwaben sind ein fleißiges und wohlhabendes Volk (...). Die nett gebauten Häuser, die geräumige Scheune am Ende des Hofes mit ihrer bemalten Thüre, die zur Feldarbeit verwendeten starken Pferde kennzeichnen sofort das Schwabendorf.”

Die Sathmarer Schwaben sprachen fast ausnahmslos einen oberschwäbischen Dialekt und zeichneten sich durch gemeinsame kulturelle und ethische Werte aus. Auch die enge Verbindung mit der römisch-katholischen Kirche war ein wichtiger Faktor für die Herausbildung einer Gruppenidentität. Obwohl es gerade die ungarisch dominierte Amtskirche war, die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts für eine starke Assimilation (Magyarisierung) der Schwaben verantwortlich war. Gottesdienste wurden nur in ungarischer Sprache abgehalten, wie auch der Schulunterricht nur ungarisch war. Über mehrere Generationen führte dies zu einem Sprachverlust und verbunden mit der Auswanderungswelle nach 1989 zum Verschwinden des schwäbischen Dialektes in der Region.


Die zwei Hälften der Stadt mit dem Fluss Someş/Samosch



Unter Bischof János Hám hat sich Sathmar stark entwickelt.



Das eher ländlich geprägte Bild von Sathmar, Ende des 19. Jahrhunderts