Deutsche Spuren entlang der Donau - reisen, begegnen, erleben
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Syrmien (serbisch Srem, kroatisch Srijem, ungarisch Szerémség) ist eine historische Landschaft zwischen Donau und Save, die im Westen bis zur kroatischen Stadt Vinkovci und im Osten bis zur serbischen Hauptstadt Belgrad reicht. Zwei Drittel gehören heute zur serbischen Provinz Vojvodina, ein Drittel gehört zu Kroatien.

Fruchtbare Lößböden und günstiges Klima machen Syrmien zu einer reichen Kornkammer. Die einzige Erhebung ist das Fruška Gora (Frankengebirge), an dessen Nordhängen schon die Römer Wein anbauten. Freiherr Wilhelm von Taube schrieb Ende des 18. Jahrhunderts: „Syrmien ist zwar der kleinste, aber der edelste, fruchtbarste und beste Teil des Königreiches. Das ganze Land ist im Sommer ein Lustgarten.“

Im serbischen Teil sind mehr als achtzig Prozent Serben; Kroaten, Ungarn, Slowaken und Russinen bilden die größten Minderheiten. Diese kulturelle Vielfalt ist das Ergebnis historischer Migrationsprozesse: Um 1690 flüchteten tausende serbische Familien unter Führung ihres Patriarchen aus Südserbien nach Syrmien. 1713 errichteten sie in Karlowitz ihre Metropolie, fortan ein wichtiges geistig-kulturelles Zentrum der serbischen Orthodoxie. Zahlreiche Klöster in dem Fruška Gora zeugen bis heute von der „großen Wanderung“ der Serben. 1745 wurde ein Großteil Syrmiens der Militärgrenze einverleibt. In den Städten ließen sich früh deutschsprachige Militärs, Händler und Handwerker nieder. In den Dörfern wurden vor allem Slawen als Wehrbauern angesiedelt. Nur wenige Gebiete kamen in privaten Grundbesitz, etwa die Herrschaft Ruma, die dem Adelsgeschlecht der Pejačević gehörte. Wie andere Grundherren warben sie Siedler an – Deutsche, Ungarn, Serben und andere Slawen.

Allerdings wanderten nur wenige Donauschwaben direkt aus deutschen Territorien ein. Die meisten übersiedelten erst im 19. und 20. Jahrhundert aus der Batschka und dem Banat, auf der Suche nach günstigem Land und besseren Lebensbedingungen. Sie ließen sich in bestehenden Ortschaften nieder, meist kompakt in einem Ortsteil. In mittelgroßen Betrieben bauten sie vorwiegend Weizen und Mais an, nach dem Ersten Weltkrieg auch Industriepflanzen wie Zuckerrüben oder Hanf. Der Rhythmus der Landwirtschaft prägte den Alltag. Ein Schwabe aus Indjia erinnert sich: „Die Arbeit auf den Feldern duldete keinen Aufschub, und es gehörte zu den ungeschriebenen Regeln, […] dass man rechtzeitig aus dem Hof sein musste, um so früh wie möglich auf den Feldern zu sein. Wer sich daran nicht hielt, war nicht nur wirtschaftlich im Nachteil, ihn traf auch die Verachtung des Dorfes. Und beides war schlimm.“

Die Einwanderer – gleich welcher Herkunft – veränderten die Region nachhaltig: Sie brachten ihre Speisen, Sprachen und Bräuche mit. Viele Menschen beherrschten mehrere Sprachen. Das über Jahrhunderte friedliche Mit- und Nebeneinander erfuhr im Ersten Weltkrieg einen tiefen Einschnitt und nahm mit dem Zweiten Weltkrieg ein jähes Ende. 1941 wurde Syrmien dem Unabhängigen Staat Kroatien zugeschlagen, dessen faschistische Ustaša-Regierung Serben, Juden und Roma verfolgte. Das Rückzugsgebiet des Fruška Gora machte Syrmien zu einem wichtigen Zentrum des Partisanenkampfs. Seit Herbst 1944 rückten die Rote Armee und die jugoslawische Partisaneneinheiten ungehindert vor. Die Mehrheit der Donauschwaben konnte rechtzeitig aus Syrmien flüchten. Fast alle verbliebenen Deutschen wurden in Lagern interniert. Hunger, Krankheit und Kälte kosteten Tausende das Leben.

Heute leben noch rund 4.000 Deutsche in Serbien. Seit den 1990er Jahren können sie sich in Vereinen organisieren. Gedenkstätten in Mitrowitz und andernorts erinnern an die vielen Donauschwaben, die in den Nachkriegslagern ums Leben kamen.


Viele der Auswanderer waren Bauern. Hier sieht man sie auf dem Feld bei der Heuverarbeitung.



Bei der Verarbeitung der Trauben zum Wein half die ganze Familie mit.