Deutsche Spuren entlang der Donau - reisen, begegnen, erleben
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Als „Schwäbische Türkei” wurde ursprünglich die südliche Baranya (deutsch Branau) bezeichnet. Zwischen den Weltkriegen erweiterte sich die Bedeutung dann auf die erheblich größere Region des Donau-Drau-Plattensee-Dreiecks.

Zwischen 1683 und 1697 war es den österreichischen kaiserlichen Truppen und deren Verbündeten gelungen, die Grenzen des Osmanischen Reiches weit bis auf den Balkan zurückzudrängen. Die eroberten Gebiete gelangten nun in den Besitz der ehemaligen bzw. neuer Grundherren. Auch die katholische Kirche wurde vom kaiserlichen Hof bedacht, so erhielt das Pécser Bistum seine Besitztümer. 

Die Grundbesitzer hatten großen Bedarf an neuen Untertanen. Sie warben erfolgreich deutsche Einwanderer an, wenn auch in den ersten Jahren noch nicht in ausreichender Anzahl. Zudem wurden die neuen Siedlungen während der Rákóczi-Kämpfe (1703 – 1711) zum Großteil vernichtet. Erst 1710 setzte die organisierte Ansiedlung deutscher Familien ein, die das ganze 18. Jahrhundert andauern sollte. Besiedelt wurde staatlicher, privater und kirchlicher Grundbesitz. Die Einwanderer kamen vor allem aus Hessen, Franken, Bayern, Württemberg, Schwaben und der Pfalz. 

Die neu gegründeten Dörfer waren rein deutschsprachig. Aber auch in kroatischen, ungarischen oder serbischen Dörfern siedelte man Deutsche an, so dass sie sprachlich gemischt waren. Meistens entwickelten sich die „Schwaben“ dort später zur Mehrheit. Katholische und evangelische Deutsche lebten überwiegend in getrennten Dörfern. 

Pécs war immer schon die größte Stadt dieser Region. Sie zog auch zahlreiche Einwanderer aus Österreich (Wien, Steiermark und Kärnten) an. Die deutschsprachigen Bürger lebten mit Ungarn und Kroaten zusammen. Ihr gemeinsamer Nenner war der Katholizismus: Der Bischof als Grundherr der Stadt ließ nur katholische Einwanderer zu. Diese strenge Regelung  schwächte sich erst um 1840 ab, als einige Juden und Protestanten zuzogen. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts assimilierte sich ein Großteil der deutschen Stadtbewohner, sie verloren ihre deutsche Identität und gaben ihre Institutionen, wie Schule oder Theater, auf. 

Die deutsche Bevölkerung in den Dörfern dagegen bewahrte bis nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend die deutsche Sprache, die Bräuche und die bäuerliche Lebensweise ihrer Vorfahren – trotz massiver staatlicher Assimilierungsversuche. Ab 1945 zerstörten jedoch kollektive Entrechtung und Enteignung, Russland-Deportation und Vertreibung der Ungarndeutschen die Gemeinschaft fast aller Siedlungen. Diese tragische Erbschaft des 20. Jahrhunderts wirkt bis heute nach. 

 

Die noch vorhandenen kleinen deutschen Gemeinschaften hoffen, durch bewusste Traditionspflege und das Bekenntnis zu ihrer ethnischen Gruppe ihre Eigenständigkeit bewahren zu können. Ob das gelingt, wird die Zukunft zeigen.

Der Kalvarienberg in Bohl.


Straße in Nadasch im Jahre 1967.



Das Strohdach auf dem Heimatmuseum von Ofala ist heute eines der letzten Beispiele für diese einst allgemein verbreitete Bauweise und Bedeckung eines Daches.