Deutsche Spuren entlang der Donau - reisen, begegnen, erleben
Visitor counter, Heat Map, Conversion tracking, Search Rank

5 6

Das donauschwäbische Siedlungsgebiet im Ungarischen Mittelgebirge umfasst Landschaften im Westteil Ungarns. Diese reichen vom Nordufer des Plattensees, über die Donau, bis an die slowakische Grenze. Eher gebräuchlich sind die Bezeichnungen der drei Kerngebiete, in denen die deutsche Minderheit lebt: das Schildgebirge, der Buchenwald und das Ofener Bergland. Letzteres ist nach dem deutschen Namen für Buda (deutsch Ofen), dem westlichen, ab 1873 selbständigen Teil der ungarischen Hauptstadt Budapest benannt. Für das Schildgebirge und den Buchenwald sind auch in der deutschen Literatur die ungarischen Namen geläufiger: Vértes für Schildgebirge und Bakony für Buchenwald.

Nach der Niederlage der Türken ließen sich Ende des 17. Jahrhunderts deutsche Offiziere und Handwerkerfamilien in den Städten nieder. Bereits im Jahr 1686 lebten Deutsche in Buda. Aus zeitgenössischen Reiseberichten geht hervor, dass die Stadt gegen Ende des 17. Jahrhunderts überwiegend deutsche Bewohner hatte. 

Ländliche Gebiete werden von deutschen Siedlern erst in den darauf folgenden Jahrzehnten bevölkert. Zunächst lebten in den Dörfern Menschen unterschiedlichster Herkunft: Deutsche, Serben, Ungarn oder Slowaken. Um 1800 vollzieht sich jedoch eine Trennung und nur noch wenige Dörfer bleiben ethnisch gemischt. 

Die Mittelgebirge mit Höhen bis zu 700 Metern ist stark bewaldet. Nach Entwässerungsmaßnahmen wurde Ackerbau auch in den Senken ermöglicht. Früher war außerdem die Forstwirtschaft mit Glas-, Porzellan-, Pottasche und Holzkohleherstellung von großer Bedeutung. Die 1826 gegründete Porzellanfabrik in Herend ist bis heute die weltweit bekannteste Porzellanmarke Ungarns. Am Nordwestrand des Gebirges befinden sich Bodenschätze wie Kalke und Porzellanerde, Braunkohle und Bauxit. Im 20. Jahrhundert gewann der Bauxit-Bergbau immer mehr an Bedeutung, was auch einen industriellen Aufschwung der Gegend mit sich brachte.

Die Landwirtschaft hat im eigentlichen Bergland meist nur Selbstversorgungscharakter. 

Ausnahmen sind die Umgebung der Hauptstadt und das nördliche Plattenseeufer. Da die rasch wachsende Bevölkerung einen immer größeren Bedarf an Lebensmitteln hatte, entwickelte sich in den umliegenden Dörfern eine ausgeprägte Landwirtschaft. Dort, wo im Ofener Bergland günstiges Klima auf fruchtbaren Boden traf, entstanden Obst- und Weinbauerngemeinden. Die Gemeinden auf der anderen Seite der Donau bauten in der flachen Landschaft Gemüse an. Berühmt geworden sind auch die Weinbaugebiete am Berghang des nördlichen Ufers des Plattensees. 

 

Obwohl von den Vertreibungen nach dem Zweiten Weltkrieg betroffen, wurde in vielen Dörfern des Ungarischen Mittelgebirges die deutsche Kultur der „schwäbischen“ Bewohner bewahrt. Mit den zahlreich gegründeten Heimatstuben, wiederbelebten Festen, Chören und Blaskapellen der Jugendlichen erlebt diese Kultur heute sogar eine Renaissance.

Edecker Weinkeller aus dem 18. Jahrhundert.



Moorer Weintage 1934.



Die dynamische Statuengruppe der Golgota aus dem Jahr 1770.