Deutsche Spuren entlang der Donau - reisen, begegnen, erleben
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Anfang des 13. Jahrhunderts wurde die Kirche ins Tal „zu den Wengen“, also „in den Wiesen“, gebaut. Kriegszeiten zwangen die Gemeinde dazu, ihre Kirche in den Schutz der Stadtmauern zu verlegen. Nur wenige Jahre später, 1399 wurde die St. Michael-Kirche an der heutigen Stelle neu gegründet und erbaut.

Nachdem die meisten Bewohner der Stadt Ulm während der Reformation den protestantischen Glauben angenommen hatte, wurden die Augustiner der Wengenkirche damit beauftragt, die wenigen noch übrig gebliebenen Katholiken der Stadt zu betreuen. Weil die Wengenkirche nun die einzige katholische Kirche der Stadt war, wurde sie zu einer Enklave für die übriggebliebenen Katholiken Ulms. Der geduldete Fremdkörper hatte eine besondere Bedeutung für die Auswanderer, die meistens aus katholischen Gebieten stammten.

Im 18. Jahrhundert strömten immer mehr Auswanderer aus den deutschen Regionen in die Stadt. Viele dieser Auswanderer heirateten erst in Ulm. Das hatte verschiedene Gründe. Zum einen hatten einige Paare vor ihrem Aufbruch nicht genügend Zeit zu Heiraten gehabt oder ihnen wurde die obrigkeitliche Erlaubnis nicht erteilt, zum anderen haben sich viele erst während der Reise kennengelernt. Ehepaare wurden zudem bei der Ansiedlung in Ungarn vor Ledigen bevorzugt, denn der Habsburgermonarchie war es wichtig, schon funktionierende, intakte Familien, die profitabel arbeiten konnten, in den Donaugebieten anzusiedeln. Man kann vermuten, dass daher auch einige Zweckehen geschlossen wurden. Das Wengenkloster bekam das Recht die Auswanderer zu trauen. Damit es bei der protestantischen Stadtführung kein unnötiges Aufsehen erregte, fanden die Hochzeiten oft im Geheimen statt.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde Ulm vielfach von den alliierten Mächten vernichtend bombardiert. Das Stadtbild wurde dadurch größtenteils zerstört. Auch die Wengenkirche blieb nicht verschont und fiel im Dezember 1944 einem Bombenangriff zum Opfer. In der Nachkriegszeit wurde die Kirche dann wieder aufgebaut und erweitert. Erhalten blieb der gotische Westgiebel mit dem Grundsteinlegungsrelief. Im Jahr 1997 wurde der kahle Innenraum in einen lichtdurchfluteten Kirchenraum verwandelt.

Die Wengenkirche ist heute die Gemeindekirche der Innenstadt Ulms und damit immer noch die einzig römisch-katholische Pfarrkirche in der Altstadt seit der Reformation.


Die heutige Wengenkirche.



Der Stiftschor der Wengenkirche in Ulm.